Nachtmeerfahrten für Flöte, Perkussion, Klavier und Streichtrio
12′, UA: Schaffhausen, 8.1.2023, camerata variabile
Was bleibt dem Unbeteiligten angesichts von Krieg, Unrecht und Verwüstung?
In Sicherheit, aber ohne Möglichkeit, etwas zu verändern?
Dunkle Bilder tauchen auf. Aus medial aufgenommenen Eindrücken resultieren phantomartige Erinnerungen, die auch akustisch resonieren. Entfernte Klagelieder und „Sterbeklänge von Metall“ (Trakl): Musikalische Topoi der Klage wie das barocke Lamento treffen auf computergestützte Spektralanalyse von metallischen Klängen.
Ergänzend dazu stellt sich mir in diesem Werk die Frage der Körperlichkeit in einer Welt der Technik und der technischen Gewalt, klanglich umgesetzt durch den Gegensatz zwischen Metallklängen als Metapher für das Unbelebte, Anorganische und den Holz-/Fell-/ Haarklängen als Metapher für das Lebende, Organische.
Die Teilung des Instrumentariums in Holz- und Metallinstrumente ist konstitutiv für das ganze Werk. Die Streichinstrumente, sowie Holzperkussionsinstrumente bilden die eine Familie, Flöte und Metallperkussionsinstrumente die andere. Das Klavier bewegt sich zwischen den beiden Welten.
Eine Landschaft von fragilen, geflüsterten Klängen, schwarmartigen Texturen und Choral-Ruinen wird im Verlauf des Stückes durchquert. Nachtmeerfahrten durch dunkles Gebiet.